Lokale Bündnisse für Familie


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Entwicklungspartnerschaft „Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende“

Alleinerziehende stehen im Alltag vor besonderen Herausforderungen: Sie müssen alleine den Haushalt führen, die Kinder erziehen und für den Lebensunterhalt sorgen. Oftmals fehlen ihnen persönliche Netzwerke, die ihnen dabei helfen. Familien- und Berufsleben zu vereinbaren, fällt ihnen deshalb schwer. So ist es nicht verwunderlich, dass nur 24 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter drei Jahren berufstätig sind. Das ist bedenklich, weil viele von ihnen auf staatliche Hilfe angewiesen sind. 41 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Leistungen des SGB II. Auch angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ist der hohe Anteil an erwerbslosen Alleinerziehenden kritisch zu sehen.

Aufgrund ihrer besonderen Situation sind Alleinerziehende auf ein engmaschiges Unterstützungsnetz angewiesen, das ihnen hilft, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und wieder in den Beruf einzusteigen. Genau solche Unterstützungsnetzwerke entstehen in Lokalen Bündnissen, wie die Entwicklungspartnerschaft „Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende“ gezeigt hat.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hatte die Lokalen Bündnisse 2009 im Rahmen der Kooperation „Perspektiven für Alleinerziehende“ zu der Entwicklungspartnerschaft eingeladen. Die Kooperation wurde vom BMFSFJ, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Bundesagentur für Arbeit ins Leben gerufen. Ziel war es, Alleinerziehende besser bei der Integration in den Arbeitsmarkt und bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Hierzu sollten unter anderem Netzwerke geschaffen werden, die Unterstützungsangebote, wie zum Beispiel Kinderbetreuungseinrichtungen, mit den Jobcentern besser verknüpfen und aufeinander abstimmen.

Um alle Beteiligten, die sich für Alleinerziehende einsetzen, stärker zu vernetzen, initiierte das BMFSFJ das Modellprojekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende“. An zwölf Pilotstandorten entwickelten Akteurinnen und Akteure von April 2009 bis März 2010 so genannte Produktionsnetzwerke. Auch Lokale Bündnisse für Familie beteiligten sich.

In diesen Netzwerken stimmten Akteurinnen und Akteure vor Ort die Angebote verschiedener Träger, wie zum Beispiel Beratungsangebote, aufeinander ab. Zu den Trägern zählten unter anderem Frauenzentren, Familienbildungsstätten und Wohlfahrtsverbände. Das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) der Fachhochschule Frankfurt am Main begleitete unter Leitung von Professor Claus Reis die Pilotprojekte. Das BMFSFJ lud alle Lokalen Bündnisse ein, im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft von den Erfahrungen dieser Projekte zu profitieren und zudem eigene Unterstützungsnetzwerke zu initiieren.

Erfolgreiche Netzwerkarbeit: Lokale Bündnisse haben Wissen in die Fläche getragen

Den Auftakt der Entwicklungspartnerschaft bildete ein Fachgespräch mit 100 Akteurinnen und Akteuren aus Lokalen Bündnissen. Auch bei Netzwerkkonferenzen in Köln und Berlin stand das Thema auf der Agenda. Dadurch entstand ein starkes Wissensnetzwerk mit rund 50 Lokalen Bündnissen. Sie steuerten zusammen mit Akteurinnen und Akteuren der zwölf Pilotprojekte ein enormes Fachwissen bei, das unter anderem wertvolle Inhalte für das Handbuch „Unterstützungsnetzwerke für Alleinerziehende“ lieferte.

Das Wissen zur erfolgreichen Netzwerkarbeit trugen die Akteurinnen und Akteure im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft auch auf andere Weise in die Fläche. Bei sieben Regionalworkshops arbeiteten rund 130Teilnehmerinnen und Teilnehmer an neuen Ideen und Lösungen für Alleinerziehende. Vertreterinnen und Vertreter aus den Pilotprojekten gaben ihre Erfahrungen weiter und zeigten Erfolgsfaktoren auf. Zudem erarbeiteten Vertreterinnen und Vertreter von Lokalen Bündnissen und weitere Akteurinnen und Akteure bei individuellen Beratungsterminen erste Schritte für den Aufbau von Produktionsnetzwerken. Diese Treffen gaben wertvolle Impulse. Denn dabei kamen häufig erstmals diejenigen zusammen, die gemeinsam Alleinerziehende vor Ort unterstützen können – dazu gehörten Vertreterinnen und Vertreter von Grundsicherungsstellen, Familienzentren und Jugendhilfeträgern.

Einen wichtigen Beitrag dafür, das bereits bestehende Wissen möglichst vielen Akteurinnen und Akteuren zugänglich zu machen, leistete auch die Impulsveranstaltung „Netzwerke für Alleinerziehende“ am 28. Juni 2010 in Berlin. Hier gaben mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops neue Impulse für Netzwerke für Alleinerziehende und präsentierten Lösungen dafür, wie man solche Netzwerke aufbaut und nachhaltig erfolgreich macht. An der Veranstaltung nahmen Vertreterinnen und Vertreter von Lokalen Bündnissen für Familie, von Grundsicherungsstellen, der kommunalen Verwaltung und sozialen Einrichtungen teil. Neben Josef Hecken, Staatssekretär im BMFSFJ, war auch Heinrich Alt, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, als Gastredner vor Ort.

Gutes Netzwerkmanagement ist wichtig, um Alleinerziehende zu unterstützen

Im Ergebnis zeigte die Arbeit in den Pilotprojekten, den Workshops und bei der Impulsveranstaltung: Vielerorts gibt es bereits zahlreiche Einzelangebote. Jedoch herrscht ein Mangel an Transparenz – nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Träger. Um Alleinerziehende bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, sollten deshalb die Angebote der zentralen familienpolitischen Akteure (wie Jugendhilfeträger, Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser) und der arbeitsmarktpolitischen Akteure (Grundsicherungsstellen, Agenturen für Arbeit, Beschäftigungsträger) miteinander verzahnt werden. Netzwerkmanagement nimmt daher einen wichtigen Stellenwert in der Organisation von Leistungen für Alleinerziehende ein.

Wie dies erfolgreich gelingt, zeigt zum Beispiel das Lokale Bündnis im Landkreis Günzburg. Hier hat das Landratsamt eine Koordinierungsstelle an der Schnittstelle zwischen Jobcenter, Behörden und Beratungsstellen etabliert. Von dort aus werden Alleinerziehende zielgerichtet weitervermittelt, unter anderem an die Erziehungsberatung oder Schuldnerberatung. Mit dem Projekt wollen die Günzburger Bündnisakteurinnen und -akteure den Alleinerziehenden vor allem dabei helfen, einen Job aufzunehmen.

Die Jobcenter spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch in Karlsruhe ist das der Fall: Hier vermittelt das Jobcenter zum Beispiel wichtige Kontakte zu Unternehmen, die Ausbildungsplätze in Teilzeit anbieten. Durch Kontakte wie diese und ihre Kompetenzen bei der Berufsvermittlung sind die Jobcenter wichtige Partner für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In Projekten wie in Karlsruhe zeigt sich, dass die Lokalen Bündnisse beim Aufbau von Netzwerken für Alleinerziehende ihre Stärken voll ausspielen können: Sie bringen die verschiedenen Akteurinnen und Akteure an einen Tisch und schaffen informelle, bisher noch nicht genutzte schnelle Kommunikations- und Abstimmungswege zwischen den Einrichtungen. In ihrem Netzwerk können sie Themen gleichzeitig an mehreren Stellen anstoßen. Außerdem schaffen sie neue Kapazitäten, indem sie Ressourcen bündeln. Darüber hinaus haben sie häufig bereits Erfahrung bei der Unterstützung Alleinerziehender, zum Beispiel über den Ausbau der Kinderbetreuung – insbesondere wenn es darum geht, Lücken in Randzeiten und am Nachmittag, in den Ferien und in Notfällen zu schließen.

Lokale Bündnisse nutzen erfolgreiches Format der Entwicklungspartnerschaft auch für das Thema Schulkinderbetreuung

Aufgrund des Erfolgs der Entwicklungspartnerschaft hat das BMFSFJ die Lokalen Bündnisse im Jahr 2011 zu einer neuen Entwicklungspartnerschaft eingeladen. Die Lokalen Bündnisse nutzen dabei das erfolgreiche Format, um Unterstützungsnetzwerke für Eltern mit Schulkindern auf- und auszubauen.

Das BMAS hat zudem das Thema der Netzwerkfinanzierung aufgegriffen. Das Ministerium fördert seit April 2011 im Programm „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) bestehende und neue arbeitsmarkt-, familienpolitische und vereinbarkeitsorientierte Netzwerke.

Weitere Informationen zum Thema

Monitor Familienforschung Nr. 15 / „Alleinerziehende in Deutschland“

Dossier Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende

Zahlen und Fakten zu Alleinerziehenden in Deutschland, Stand Mai 2009

„Es bewegt sich etwas“ – Heinrich Alt aus dem Vorstand der Bundesagentur für Arbeit schreibt im Magazin „Familie leben.“ über die Situation von Alleinerziehenden

Dokumentation des Workshops „Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende“ am 28. Oktober 2009:

Produktionsnetzwerke und Dienstleistungsketten zur Unterstützung Alleinerziehender im SGB II – Präsentation von Susan Geideck, Institut für Stadt- und Regionalentwicklung der Fachhochschule Frankfurt am Main (PDF)

Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Gesprächsrunden des Workshops (PDF)

Dokumentation des Fachgesprächs „Vereinbarkeit für Alleinerziehende in Lokalen Bündnissen für Familie“ am 27. Mai 2009:

Kooperative Strukturen zur Unterstützung Alleinerziehender im SGB II – Präsentation von Susan Geideck, Institut für Stadt- und Regionalentwicklung der Fachhochschule Frankfurt am Main (PDF)

Entwicklungspartnerschaft „Vereinbarkeit für Alleinerziehende“ des BMFSFJ mit den Lokalen Bündnissen für Familie – Präsentation von Petra Mackroth, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (PDF)

Zusammenfassung der Ergebnisse des Fachgesprächs (PDF)

Ergebnisse der Arbeitsgruppen (PDF)

Dokumentation der Fachtagung „Perspektiven für Alleinerziehende – Fachtagung im SGB II“ am 26. Mai 2009:

www.fachtagung-sgb2.de

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