Lokale Bündnisse für Familie


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Dialogforum „Vielfalt fördern, Vereinbarkeit gestalten, Fachkräfte gewinnen“: Lokale Bündnisse fördern die Integration vor Ort und diskutieren Lösungen, Mütter mit Migrationshintergrund noch gezielter zu unterstützen

In Deutschland leben rund 8,2 Millionen Familien mit Kindern. Mehr als ein Viertel der Familien hat einen Migrationshintergrund. Wie die rund 660 Lokalen Bündnisse ihre Stärken bei der Integration dieser Familien einbringen können, diskutierten rund 20 Expertinnen und Experten aus Lokalen Bündnissen, Migrantenselbstorganisationen, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden am 20. September 2011 in Berlin. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hatte sie zum Dialogforum „Vielfalt fördern, Vereinbarkeit gestalten, Fachkräfte gewinnen“ eingeladen.

Ein wichtiger Schritt für die Integration der Familien ist es, dass die Eltern arbeiten gehen können. Doch gerade für die Mütter ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft eine große Herausforderung. Das zeigt die Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach „Familien mit Migrationshintergrund“. 40 Prozent der befragten, nicht erwerbstätigen Mütter von Kindern unter 14 Jahren mit Migrationshintergrund sehen Probleme bei der Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben. Dabei bietet gerade eine bessere Vereinbarkeit ein großes Potenzial für die Integration, darin bestand Konsens bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Dialogforums. Zum einen tragen Mütter mit einer beruflichen Tätigkeit zum Einkommen der Familie bei und knüpfen neue Kontakte. Zum anderen ist es aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs immer wichtiger, Müttern – mit und ohne Migrationshintergrund – den Weg in den Beruf zu ebnen. Darüber hinaus verbessern sich auch für Kinder die Chancen eines erfolgreichen Bildungsverlaufs, wenn sie frühzeitig institutionelle Betreuungs- und Bildungseinrichtungen in Anspruch nehmen.

Viele Lokale Bündnisse bereits beim Thema Integration aktiv

Im Gespräch wurde deutlich, dass Mütter mit und ohne Migrationshintergrund bei der Vereinbarkeit im Grundsatz ähnliche Herausforderungen meistern müssen. Ein Unterschied ist jedoch, dass Mütter mit Migrationshintergrund einen schwierigeren Zugang zu bestehenden unterstützenden Angeboten haben. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Herkunftsgruppen. Lokale Bündnisse können eine zentrale Rolle spielen, um dies zu verändern – darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dialogforums einig. In ganz Deutschland haben die Lokalen Bündnisse zahlreiche erfolgreiche Betreuungsangebote für Kleinkinder und Schulkinder entwickelt. Mehr als 100 arbeiten darüber hinaus bereits an Projekten rund um das Thema Integration. „In Lokalen Bündnissen sind die entscheidenden Akteurinnen und Akteure vertreten, die Projekte zur Integration anstoßen können“, sagte Norbert Tessmer, zweiter Bürgermeister der Stadt Coburg. „Vor Ort engagieren sich Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Arbeitsagenturen, Jobcentern, Unternehmen, Migrantenselbstorganisationen und viele mehr. Damit sind die Lokalen Bündnisse bestens aufgestellt, um Familien mit Migrationshintergrund anzusprechen, sie zu informieren und zu unterstützen.“

Die Möglichkeiten für Lokale Bündnisse aktiv zu werden, sind vielfältig. Das zeigten die guten Beispiele, die Bündnisvertreterinnen und -vertreter auf der Veranstaltung im Bundesfamilienministerium präsentierten. Das Konzept der Stadtteilmütter in Augsburg setzt zum Beispiel darauf, Frauen als Stadtteilmütter zu qualifizieren, die ihr Wissen an die eigenen Kinder und innerhalb der Nachbarschaft an andere Mütter mit Migrationshintergrund weitergeben. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist eine konsequente Kompetenzen- und Ressourcenorientierung: Die Stadtteilmütter machen aus Familien mit „Sprachdefiziten“ Expertinnen für Mehrsprachigkeit. Die Bündnisarbeit ist dabei gleichzeitig Lernort und Methode. In Augsburg haben wir schon vielen Müttern Fähigkeiten vermittelt, die sie selbstbewusst und unabhängig gemacht und ihnen oftmals zu einem Job verholfen haben“, sagte Gabriele Kühn vom Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Augsburg, Kooperationspartner des Lokalen Bündnisses für Augsburg. Ein anderer Ansatzpunkt für Lokale Bündnisse ist, Informationen über berufliche Unterstützungs- und Weiterentwicklungsangebote an Mütter mit Migrationshintergrund weiterzugeben. Im Projekt „Integrationslotsen“ des Lokalen Bündnisses für Familie im Landkreis Mainz-Bingen helfen die Lotsinnen und Lotsen neu zugewanderten Menschen nicht nur bei Behördengängen. Sie unterstützen sie auch dabei Deutsch zu lernen und einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu suchen.

Erfolgsfaktor: Migrantinnen und Migranten einbinden

Bei allen Aktivitäten ist es sinnvoll, Migrantinnen und Migranten in die Planung und Umsetzung einzubeziehen. „Sowohl Einzelpersonen als auch Migrantenselbstorganisationen sind wichtige Partner für die Arbeit in Lokalen Bündnissen für Familie. Sie kennen die Bedürfnisse von Familien mit Migrationshintergrund und können helfen, diese Familien noch besser zu erreichen“, sagte Mehmet Tanriverdi, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände. Auch wenn in einigen Bündnissen schon Migrantinnen und Migranten vertreten seien, so gebe es gerade bei der Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen noch viel Potenzial. Besonders aussichtsreich sei es, zunächst die gemeinsamen Interessen herauszuarbeiten und dann Schritt für Schritt anhand konkreter Projekte eine Zusammenarbeit auf- und auszubauen, so ein weiteres Diskussionsergebnis des Dialogforums.

Lokale Bündnisse können zusammen mit ihren Partnerinnen und Partnern auch an der Entwicklung einer Willkommenskultur mitwirken. Das macht den Standort für Fachkräfte – mit und ohne Migrationshintergrund – und ihre Familien attraktiv. Wichtig war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Dialogforums, den Begriff der Willkommenskultur breit zu fassen. Es gelte auch die Familien mit Migrationshintergrund einzubeziehen, die schon seit vielen Jahren in Deutschland lebten. Auch hier gibt es bereits erfolgreiche Lösungen aus den Bündnissen: Ursula Meise, zweite Bürgermeisterin der Stadt Schwerte und Vorstand des Bündnisses für Familie, stellte beispielsweise den Migrationsatlas vor. Der Atlas bündelt auf Deutsch und Türkisch sämtliche Unterstützungsangebote in Schwerte. Das Lokale Bündnis „Coburg – Die Familienstadt“ wirkt mit zahlreichen Aktivitäten daran mit, dass sich Coburger Neubürgerinnen und Neubürger von Anfang an wohlfühlen und dass die gelebte Willkommenskultur weitere Bürgerinnen und Bürger anzieht. Beispielsweise entwickelte das Bündnis die Idee für ein Gutscheinheft. Heute schenkt die Stadt allen, die ihren Erstwohnsitz nach Coburg verlegen, ein Scheckheft mit 17 Gutscheinen für Ermäßigungen oder kostenlose Eintritte in Museen, Theater oder den Wildpark. Auch Dialogforums-Teilnehmerin Helga Nagel, Leiterin des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, schätzt Lokale Bündnisse als Kooperationspartner bei der Gestaltung der Willkommenskultur. „Ich wünsche mir noch mehr Joint Ventures, in denen wichtige Akteure wie Kommunen, Vereine und Verbände gemeinsam neue Ideen schmieden – gerade auch mit Blick auf Familien mit Migrationshintergrund.“

Wenn Sie Fragen zum Thema haben, wenden Sie sich bitte an die Fachberatung der Lokalen Bündnisse für Familie.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dialogforums „Vielfalt fördern, Vereinbarkeit gestalten, Fachkräfte gewinnen“ am 20. September 2011 in Berlin:

  • Roberto Alborino, Deutscher Caritasverband e. V.
  • Mehmet Alpbek, Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg e. V.
  • Wolfgang Barth, Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V. (AWO)
  • Sergio Cortés, Der Paritätische Gesamtverband e. V.
  • Dr. Heidrun Czock, Geschäftsstelle „Zukunftsrat Familie“ c/o Prognos AG
  • Honey Deihimi, Bundeskanzleramt – Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
  • Thomas Dippold, Agentur für Arbeit Coburg, Coburg – Die Familienstadt
  • Dr. Gunilla Fincke, Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration
  • Gabriele Kühn, Stadt Augsburg, Bündnis für Augsburg
  • Ursula Meise, Stadt Schwerte, Lokales Bündnis für Familien in Schwerte
  • Helga Nagel, Stadt Frankfurt, Frankfurter Bündnis für Familien
  • Dragica Petric, Kreisverwaltung Mainz‑Bingen, Lokales Bündnis für Familie Mainz‑Bingen
  • Katja Schöne, Stadt Kassel, Kasseler Bündnis für Familie
  • Florian Schromm, Handwerkskammer für Mittelfranken
  • Konrad Seigfried, Stadt Ludwigsburg, Kinder- und Familienbildung Ludwigsburg (KiFa)
  • Birte Steller, Hamburg Welcome Center
  • Roswitha Stock, Agentur für Arbeit Köln, Kölner Bündnis für Familien
  • Mehmet Tanriverdi, Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände e. V. (BAGIV)
  • Norbert Tessmer, Stadt Coburg, Coburg – Die Familienstadt
  • Cornelia Weber, Get AG, Lokales Bündnis für Familie für Leipzig (Familienstadt)
  • Ute Wulff, Internationaler Bund e. V. (IB), Jugendmigrationsdienst Berlin-Neukölln
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