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„Ich sehe mich auch ein bisschen als Vorbild“

Wie kann partnerschaftliche Vereinbarkeit aussehen? Wie können sich Väter Zeit für ihre Kinder schaffen? Wir haben zwei von ihnen gefragt.

Mann mit schwarzer Jacke hebt Baby mit Jeansjacke, Jeanshose und rotem Haarband mit Schleife in die Luft

Vater mit Kind, Quelle: Pixabay/Jovenilton

Viele Paare wünschen sich eine partnerschaftliche Aufteilung in der Kinderbetreuung. Mütter wollen den Anschluss im Arbeitsleben nicht verlieren und Väter schätzen es, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Aber wie kann diese Aufgabenteilung gelingen? Zwei Väter erzählen, wie sie Familie und Beruf vereinbaren:

Stefan B. ist 36 Jahre alt und Vater von zwei Töchtern – vier Jahre und fünf Monate alt. Er berichtet: „Ich bin seit der Geburt meiner zweiten Tochter für 13 Monate in Elternzeit. Meine Frau hatte zusätzlich zum Mutterschutz nur einen Monat Elternzeit. Beim ersten Kind war es genau anders herum: Meine Frau war ein Jahr zu Hause und ich habe drei Monate Elternzeit genommen. Damals war uns schon klar, dass wir das beim zweiten Kind umkehren wollen. Denn wir wollten beide die Chance haben zu arbeiten, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Außerdem glauben wir, dass das für die Kinder gut ist, beide Eltern in beiden Rollen zu erleben. Besonders spannend ist für mich, wie das ist, den ganzen Tag mit jemandem zu verbringen, der voll auf mich angewiesen ist. Das ist total schön, so gebraucht zu werden, aber das ist auch sehr anstrengend. Das habe ich beim ersten Kind nicht in dieser Intensität mitbekommen und habe jetzt einen viel größeren Respekt dafür, was meine Frau damals geleistet hat. Wir mussten uns dafür aber beide bei unseren Arbeitgebern durchsetzen. Bei meiner Frau wurde gesagt: ‚Die kommt doch eh nicht so schnell wieder.‘ Als meine erste Tochter geboren wurde, war ich der erste Mann in der Firma, der jemals Elternzeit genommen hat. Beim zweiten Kind war mein Chef dann überrascht über die Länge. Ich glaube, viele Väter wissen auch gar nicht, dass sie so lange Elternzeit nehmen können.“

Lukas N. ist 31 Jahre alt und hat einen sieben Monate alten Sohn. Er sagt: „Meiner Frau und mir war von Anfang an klar, dass wir die Kinderbetreuung gemeinsam übernehmen möchten. Wir wollten beide von der Zeit profitieren, in der unser Sohn noch so klein ist. Wir waren bis zur Geburt beide voll berufstätig und es gab keinen Grund, warum eine oder einer von uns einen wesentlich größeren Anteil übernehmen sollte. Meine Frau hat nach ihrem Mutterschutz sechs Monate Elternzeit beantragt. Ich habe mir meine Elternzeit aufgeteilt: Im ersten Monat nach der Geburt war ich gemeinsam mit meiner Frau zu Hause. Das war mir wichtig, weil die erste Zeit noch sehr aufregend ist und man noch gar keine Routine hat. Es war schön, beim Kennenlernen und den ersten Momenten voll dabei zu sein. Danach bin ich wieder Vollzeit arbeiten gegangen. Das hat für uns aber nicht funktioniert: Ich habe meinen Sohn sehr wenig gesehen und die Wochenenden waren sehr vollgepackt. Deswegen habe ich jetzt meine Arbeitszeit reduziert und bin freitags zu Hause. Das bringt einfach mehr Flexibilität: Ich kann Zeit mit meinem Kind verbringen, aber auch ab und zu noch ein bisschen persönliche Freizeit haben. Ab Mitte März geht meine Frau wieder arbeiten. Dann starte ich in sechs Monate Elternzeit. In meiner Firma ist das bisher nicht üblich. Aber mein Arbeitgeber hat mit großem Verständnis reagiert und meine Entscheidung ohne Weiteres akzeptiert. Es hieß immer: ‚Das bekommen wir irgendwie hin.‘ Ich sehe mich da auch ein bisschen als Vorbild für zukünftige Eltern bei uns.“

Unter dem Titel „Väter im Fokus – Partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ging es auch bei unserem Online-Seminar um die Frage:  Wie können Lokale Bündnisse für Familie Väter dabei unterstützen, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen und dadurch die gewünschte partnerschaftliche Vereinbarkeit in Familie und Beruf zu stärken? Die Aufzeichnung finden Sie hier.

 

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