Mit vielen Partnerinnen und Partnern die Ferienbetreuung auf breite Füße stellen

Lennestädter Bündnis für Familie

Ort: 57368 Lennestadt
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Mit vielen Partnerinnen und Partnern die Ferienbetreuung auf breite Füße stellen

„Mit vielen Partnerinnen und Partnern die Ferienbetreuung auf breite Füße stellen“

Interview mit Petra Peschke-Göbel, Koordinatorin des Lennestädter Bündnisses für Familie

Das Lokale Bündnis für Familie in Lennestadt ist eines der über 100 Bündnisse, die an der Entwicklungspartnerschaft „Unterstützungsnetzwerke für Eltern mit Schulkindern“ teilnehmen. Mithilfe vieler Partnerinnen und Partner organisiert das Bündnis Betreuungsangebote in den Oster-, Sommer- und Herbstferien. Wie wichtig solche Ferienbetreuungsangebote sind, zeigt der kürzlich erschienene „Grundschulcheck“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): Fast 80 Prozent der Schulen, die sich an der Befragung beteiligt haben, bieten nur zeitweise oder gar keine Kinderbetreuung in den Ferien an. Auch in Lennestadt (Nordrhein-Westfalen) ist das der Fall. Hier ist durch die Kooperation im Lokalen Bündnis für Familie unter anderem ein sechswöchiges ganztägiges Angebot in den Sommerferien entstanden. 20 Schulkinder werden jeden Tag betreut, ein Mittagessen ist inklusive. Darüber hinaus können Eltern in den Ferien aus 80 Einzelaktionen auswählen, die rund 20 Partnerinnen und Partner des Bündnisses organisieren. Im Interview erläutert Bündniskoordinatorin Petra Peschke-Göbel, wie die Zusammenarbeit funktioniert, wie das Bündnis zukünftig auch Unternehmen mit ins Boot holen will und wie das Bündnis von der Entwicklungspartnerschaft „Unterstützungsnetzwerke für Eltern mit Schulkindern“ profitiert.

Frau Peschke-Göbel, welche Partnerinnen und Partner arbeiten im Rahmen der Ferienbetreuungsangebote zusammen?

Bei der ganztägigen Ferienbetreuung stellt die Evangelische Kirchengemeinde die Räume. Die Jugendfreizeitstätte NewKomma beschäftigt die Betreuerinnen und Betreuer. Darunter sind zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher, Tagesmütter, Studierende sowie Jugendgruppenleiterinnen und -leiter. Als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt kümmere ich mich um die Planung und Vorbereitung. Für die Einzelaktionen konnten wir zum Beispiel die Musikschule, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, Vereine, aber auch viele Einzelpersonen gewinnen. So zeigt eine Erlebnispädagogin den Kindern, wie Schafe geschoren werden und schließlich ein Pullover aus der Wolle wird.

Wie haben Sie es geschafft, alle ins Boot zu holen?

Am Anfang haben wir bei einzelnen Einrichtungen angefragt, mit der Zeit haben sich immer mehr Leute von alleine bei uns gemeldet – das war ein Schneeballeffekt. Die Vereine profitieren schließlich dadurch, dass sie neue Mitglieder gewinnen können. Den einzelnen Helferinnen und Helfern macht die Mitarbeit einfach Spaß. Grundsätzlich ist es uns wichtig, das Ferienangebot auf breite Füße zu stellen und viele Partnerinnen und Partner einzubeziehen. Denn alleine kann man die Aufgaben nicht schultern.

Sie arbeiten auch mit Schulen zusammen. Mit ihrer Hilfe macht Ihr Bündnis auf das Ferienbetreuungsangebot aufmerksam.

Genau, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendfreizeitstätte bringen vor den Ferien die Ferienbroschüre an die Schulen. Dort wird sie an die Schülerinnen und Schüler verteilt. Außerdem wird über den Bereich „Schule“ der Stadt als Träger der offenen Ganztagsschulen ein Teil der Kosten der Ferienbetreuung übernommen. Der Rest wird über Elternbeiträge finanziert. So zahlen Eltern zum Beispiel für die Ganztagsbetreuung inklusive Mittagessen 45 Euro pro Kind und Woche. Anspruchsberechtigte Familien können einen Zuschuss aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zum Mittagessen beantragen. In Zukunft wollen wir unser Angebot finanziell noch breiter aufstellen und dazu Unternehmen als Unterstützer gewinnen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Wir haben im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft „Unterstützungsnetzwerke für Eltern mit Schulkindern“ mithilfe der Fachberatung herausgearbeitet, welche Schritte wir angehen, um Unternehmen für unser Bündnis zu gewinnen. Wir werden uns nun zum einen an Ansprechpartnerinnen und -partner bei der Industrie- und Handelskammer wenden. Außerdem gehen wir über das Stadtmarketing. Wir denken, dass wir gute Argumente haben, warum es sich lohnt, das Bündnis zu unterstützen. Dass Unternehmen von unserem Angebot profitieren, zeigt sich schon alleine an der Zahl von 635 angemeldeten Tagesbetreuungsplätzen in den Sommerferien. Außerdem sind wir den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern entgegengekommen, indem wir den Start der Betreuung auf 7.30 Uhr vorverlegt haben – so können berufstätige Eltern rechtzeitig um 8 Uhr am Arbeitsplatz sein. Aber wissen das die Arbeitgeber auch? Wir haben durch die Arbeit in der Entwicklungspartnerschaft festgestellt: Wir müssen unsere Leistungen den Unternehmen stärker bewusst machen. Wenn Unternehmen uns unterstützen, können sie schließlich auch davon profitieren. Sie können zeigen: Wir tun etwas für unsere Beschäftigten mit Familie und den „Standortfaktor Familienfreundlichkeit“. Das ist in Zeiten, in denen Unternehmen immer stärker um Fachkräfte werben müssen, ein gutes Argument für ein Unternehmen.

Was würden Sie anderen Bündnissen raten, die ein Ferienbetreuungsangebot aufbauen wollen?

Man sollte die Strukturen langsam aufbauen und sich nicht gleich übernehmen. Man muss mit der Zeit erst einmal herausfinden, wie der Bedarf genau aussieht. Wir haben zum Beispiel zunächst mit einer dreiwöchigen Sommerferienbetreuung angefangen – und erst später auch Angebote für die Oster- und Herbstferien entwickelt.

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